Gemeindedetektive unterwegs

Was sich Kinder von ihrer Gemeinde wünschen: Grundschüler gestalten ihren Lebens-, Lern- und Spielort

09.04.2024 - Was gibt es alles in meiner Gemeinde – und welche Aufgaben hat sie? Habe ich als Kind besondere Rechte? Wie fühle ich mich an dem Ort, an den ich wohne – und was kann ich selbst verändern? Diese und viele weitere spannende Fragen rund um das Thema gelebte Demokratie vor Ort besprach Nils Kaeding vom Jugendreferat der Gemeinde Meckenbeuren mit den Kindern der Kombiklassen 3/4 am 9. April an der Grundschule Langentrog. Als Beauftragter für Kinder- und Jugendbeteiligung in Meckenbeuren leitete Kaeding den Gemeindedetektiv-Workshop, in dem es um Lieblingsorte und Gruselplätze in der Heimatgemeinde ging, aber auch um Vereinsleben, den Gemeinderat und Kinderrechte.

Sogar der Bürgermeister Georg Schellinger hatte sich an diesem Tag für die 25 Jungen und Mädchen Zeit genommen. Gemeinsam schauten sie auf den Katasterplan. Wo wohne ich? Und wo gehe ich gerne hin? Andere Arbeitsgruppen beschäftigten sich mit den Aufgaben der Gemeinde: Feuerwehr, Bibliothek, Gewerbegebiet, Rathaus… was machen die da eigentlich? Mit dabei an diesem Tag als Begleiter der Arbeitsgruppen waren die Fachlehrerin Cornelia Kiesel und die Klassenleiterin Sarah Diergaardt sowie Schulsozialarbeiterin Simone Patschke und Schulleiterin Barbara Zoll.

Im Jahr der Kommunalwahlen hat dieser Austausch mit den Heranwachsenden eine besondere Bedeutung, findet Georg Schellinger. Schon als Hauptamtsleiter hat er vor fast zehn Jahren die ersten Gemeindedetektive dabei begleitet, herauszufinden, welche Möglichkeiten der Mitbestimmung es in einer Gemeinde gibt. „Wir wollen Kinder und Jugendliche in Planungen und Vorhaben, die ihre Interessen berühren, einbeziehen‘“, erläutert Schellinger. „Es ist wichtig, von klein auf Vertrauen in demokratische Prozesse zu entwickeln.“ 

Deshalb nehmen jedes Jahr Gemeindedetektive zweier anderer Grundschulen ihren Teilort unter die Lupe. Neben den Schülern der Eduard-Mörike-Schule Liebenau-Langentrog sind es in diesem Jahr auch die Grundschüler der Albrecht-Dürer-Schule Meckenbeuren, die sich erst theoretisch und dann praktisch bei einer Ortsbesichtigung mit ihrem Lebensmittelpunkt auseinandersetzen. Ihre Analyse von Stärken und Schwächen der Gemeinde sowie ihre Verbesserungsvorschläge stellen die Schüler Ende April im Gemeinderat vor.

Schon 2015 hatte die Gemeinde damit begonnen, die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen als festen Bestandteil der Lebens- und Beteiligungskultur in der Gemeinde Meckenbeuren zu verankern. Denn aus den Schülern werden einmal Bürger – die als Erwachsene aktiv die Gemeinde mitgestalten können und sollen. Nur durch die Coronajahre unterbrochen, wird seitdem ein „Gemeindecheck“ für Grundschüler angeboten. „Kinder wollen ernst genommen werden“, ist die Erfahrung von Nils Kaeding. „Sie bringen so viel Engagement und Interesse mit. Man kann ihnen deshalb durchaus etwas zutrauen und ihnen die Möglichkeit geben, sich einzubringen.“


Gemeinsam Verantwortung zu übernehmen ist auch der Gemeinde ein Anliegen. Solche Beteiligungschancen zu schaffen und immer wieder zu erneuern ist eine konkrete Demokratieerfahrung.

Info
Kinder und Jugendliche sollen laut § 41a GemO der Kommunalverfassung in Planungen und Vorhaben, die ihre Interessen berühren, beteiligt werden.  Seit fast zehn Jahren sind deshalb jedes Jahr zwei Grundschulen eingeladen, mit ihren Schülern als „Gemeindedetektive“ aus Kindersicht demokratische Prozesse zu erkunden und konkrete Verbesserungsvorschläge für ihre Ortsteile im Gemeinderat zu präsentieren.

Mit den Gemeindedetektiven, der Jugendkonferenz für Heranwachsende ab der 5. Klasse, dem Jugendrat, dem Jugendkomitee sowie den Ansprechpartnern im Jugendreferat und dem Jugendcafé als Anlaufstelle setzt die Gemeinde Meckenbeuren auf vielfältige Beteiligungsmöglichkeiten für Kinder und Jugendliche unterschiedlichen Alters.