Hochwasser-, Starkregen- und Grundwasserschutz 

Investieren, um Schäden zu minimieren

Ende Mai jährte sich das verheerende Schussen-Hochwasser des Jahres 2024 zum zweiten Mal. Die Ereignisse haben eindrücklich gezeigt, wie verletzlich Infrastruktur und öffentliche Einrichtungen gegenüber Extremwetterlagen sind. Seither hat der Gemeinderat weitreichende Investitionen beschlossen, um den Hochwasserschutz nachhaltig zu verbessern und die Widerstandsfähigkeit gegenüber Starkregen- und Hochwasserereignissen zu stärken.

Hochwassersichere Pumpwerke

Im Fokus stehen dabei sowohl technische Schutzmaßnahmen als auch bauliche Anpassungen an kommunalen Einrichtungen. So werden die elektrische Mess-, Steuer- und Regeltechnik des Regenwasserpumpwerks Kehlen sowie die Steuerung sämtlicher Pumpwerke hochwassersicher installiert. Das bestehende Pumpwerk in der Finkenstraße wird durch einen Neubau mit zwei leistungsstarken Pumpen ersetzt, um Rückstau in die angrenzenden Wohngebiete auch bei extremen Wetterlagen zu verhindern. Allein für die Maßnahmen in der Humpisstraße und der Finkenstraße werden mehr als 3,4 Millionen Euro eingesetzt.

Hochleistungspumpe und spezielle Kananldeckeleinsätze

Ergänzend hat die Gemeinde eine mobile Hochleistungspumpe angeschafft. Mit bis zu 5.500 Litern pro Minute Förderleistung ermöglicht sie, schnell auf lokale Überflutungen zu reagieren. Auch im Kanalnetz wurden Anpassungen vorgenommen: Spezielle Einsätze für Kanaldeckel sorgen künftig dafür, dass bei Starkregen weniger Wasser in die Schmutzwasserkanäle eindringt.

Ertüchtigung der Freiwilligen Feuerwehr

Parallel dazu wurde die Ausstattung der Freiwilligen Feuerwehr an die gestiegenen Anforderungen angepasst. Neben einem zusätzlichen Notstromaggregat wurde ein vom Landkreis finanziertes Hochwassermodul in Dienst gestellt.

Absicherung von Schulstandort und Karl-Brugger-Halle

Ein besonderer Schwerpunkt lag auf der Wiederherstellung und gleichzeitigen hochwassersicheren Umgestaltung öffentlicher Gebäude im Teilort Kehlen. Die Wilhelm-Schussen Grundschule wurde umfassend wieder hergestellt und die Räume für die Schulbetreuung neu organisiert. Zusätzlich wurden am Schulstandort und am Dorfgemeinschaftshaus feste und mobile Hochwasserschutzmaßnahmen installiert, darunter Schutzmauern und Dammbalkensysteme. Die Karl-Brugger-Halle wurde gezielt abgedichtet; das Untergeschoss wird künftig nur noch in reduzierter und wasserunempfindlicher Form genutzt. Zusätzlich hat der Gemeinderat den Einbau eines fest installierten Pumpensystems in der Heiz- und Lüftungszentrale entschieden.

Die Gemeinde sieht weiteren Handlungsbedarf. Für den Schulstandort Kehlen wurden im April 2026 zusätzliche Maßnahmen beschlossen, um auch Risiken durch Grund- und Hangwasser gezielt zu begegnen. Geplant sind unter anderem fest installierte Pumpen im Rohrkanal und im Untergeschoss sowie Entwässerungsdrainagen entlang der Gebäudeseiten. Die Planungen erfolgen in enger Abstimmung mit dem Versicherer

Die Erfahrungen aus den vergangenen Hochwasserereignissen haben deutlich gemacht, dass ein wirksamer Schutz nur im Zusammenspiel verschiedener Ansätze gelingen kann. Die Gemeinde verfolgt daher eine integrierte Strategie, die Hochwasserschutz, Grundwassermanagement und Starkregenvorsorge gemeinsam betrachtet. Investitionen in leistungsfähige Pumpensysteme spielen dabei trotz ihres Wartungsaufwands eine zentrale Rolle, um Schäden in Millionenhöhe und langfristige Nutzungsausfälle öffentlicher Einrichtungen zu vermeiden.

Interkommunale Zusammenarbeit

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der interkommunalen Zusammenarbeit. Mit der „Meckenbeurer Erklärung“ und der Schussenkonferenz wurde Anfang 2025 ein gemeinsames Format mit den Anrainerkommunen etabliert. Ziel ist es, überörtliche Lösungen für den Hochwasserschutz entlang der Schussen zu entwickeln, auch wenn Rückhaltebecken im Oberlauf der Schussen keinen ausreichenden Hochwasserschutz bieten. Auf Grundlage neuer Hochwassergefahrenkarten, die derzeit vom Land erwartet werden, sollen gemeinsam mit dem Regierungspräsidium und dem Landratsamt weitere technische Maßnahmen geprüft werden.

Information und Prävention – Veranstaltungen für Bürgerinnen und Bürger

Neben baulichen und technischen Maßnahmen setzt die Gemeinde auch auf Information und Prävention. In Zusammenarbeit mit dem Landratsamt, der Feuerwehr und der Volkshochschule wurden Bürgerinnen und Bürger gezielt über privaten Hochwasserschutz informiert. Themen waren unter anderem die Nutzung von Hochwassergefahrenkarten, Verhaltensweisen im Krisenfall und individuelle Vorsorgemöglichkeiten. Ergänzend wurde – gefördert durch das Land – ein Ausstattungssatz für den Notfalltreffpunkt im Bildungszentrum Meckenbeuren beschafft.

Darüber hinaus beteiligt sich Meckenbeuren an einem landesweiten Projekt zur Stärkung der Krisenvorsorge. Unter dem Titel „Gut vorbereitet für den Ernstfall – in unserer Kommune packen wir gemeinsam an!“ werden Erfahrungen aus realen Schadenslagen systematisch ausgewertet. In sogenannten Fokusgruppen tauschten sich Vertreterinnen und Vertreter aus Verwaltung, Einsatzorganisationen und Bürgerschaft intensiv über die Lehren aus den Hochwasserereignissen aus, um die Zusammenarbeit und Einsatzfähigkeit weiter zu verbessern.

Kosten

Die finanziellen Auswirkungen des Hochwassers sind erheblich: Allein an öffentlichen Gebäuden im Ortsteil Kehlen entstand ein Schaden von rund 1,44 Millionen Euro. Insgesamt beläuft sich der Schaden für die Gemeinde auf etwa 1,67 Millionen Euro. Ein Großteil kann durch Versicherungsleistungen und Landeszuwendungen gedeckt werden; der Eigenanteil der Gemeinde liegt bei rund 475.000 Euro. Aktuell läuft jedoch noch ein Förderantrag zu Mitteln aus dem Europäischen Sozialfonds (EUSF). Für zukünftige Schutz- und Präventionsmaßnahmen sind derzeit Investitionen in Höhe von rund 4,6 Millionen Euro vorgesehen.

Mit den umgesetzten und geplanten Maßnahmen zieht die Gemeinde Meckenbeuren klare Konsequenzen aus den Erfahrungen der vergangenen Jahre. Ziel ist es, die Sicherheit für Bevölkerung, Infrastruktur und öffentliche Einrichtungen nachhaltig zu erhöhen und die Gemeinde bestmöglich auf zukünftige Extremwetterereignisse vorzubereiten.