Breites Angebot im Familientreff beeindruckt
Einen Überblick über die Arbeit und die Angebote des Familientreffs Meckenbeuren gab Leiterin Angela Müller-Stoiber zusammen mit Luitgard Müller-Vecchio im Verwaltungsausschusses. Seit 1996 gibt es den Familientreff als Gemeinschaftsprojekt des Kreisjugendamtes und der Gemeinde Meckenbeuren, 1997 wurden eigene Räume in der Graf-Zeppelin-Straße 22 bezogen. Auf Grund der Bemühungen von Bürgermeister Roland Weiß gelang es Anfang des Jahres, einen weiteren Raum in der Berblinger Straße 2/1 anzumieten und dem Familientreff zur Verfügung zu stellen. Dort hat neben zahlreichen weiteren Angeboten auch die zusätzlich eingerichtete Spielgruppe zur Betreuung unter dreijähriger Kinder nun einen Raum gefunden. Das Jahresprogramm des Familientreffs ist vielfältig und abwechslungsreich gestaltet, und garantiert eine optimale Auslastung der Räume.
Neben Elterngesprächskreisen, Offenen Treffs für Alleinerziehende, Babysitterkurse oder Familiengruppen finden Qualifizierungskurse für Tagesmütter und Ambulante Sprachheilkurse ebenso statt wie Seminare und Einzelvorträge. Ein Großteil der Angebote sei kostenfrei, informiert Angela Müller-Stoiber. Für einzelne Kurse würden Gebühren verlangt, diese seien aber meist gering und sozialverträglich, wie beispielsweise die Kleinkindbettreuung von 9 bis 12 Uhr mit einem Euro pro Stunde.
Familien mit finanziellem Engpass könnten gegebenenfalls anstatt der Gebühren ihre Mithilfe einbringen, der Familientreff zeige hier große Flexibilität. Hausaufgabenbetreuung für Grundschüler finde dreimal wöchentlich statt. Kosten: zwanzig Euro im Monat. Der Familientreff sei bestrebt, breit angelegt zu arbeiten. Auf die Integration verschiedener Gruppen und Nationalitäten werde großen Wert gelegt, informirt Angela Müller-Stoiber. Pro Monat besuchen durchschnittlich 149 Familien und 760 Personen den Familientreff, inklusive aller Mehrfachzählungen.
Insgesamt sei Meckenbeuren strukturell überdurchschnittlich gut aufgestellt. „Auch wenn wir nicht alle in Frage kommenden Familien erreichen“, resümiert Angela Mülller-Stoiber. Lob und Anerkennung zollten Bürgermeister Weiß und die Ratsmitglieder sowohl der Leiterin wie auch den Mitarbeiterinnen des Familientreffs. „Der Familientreff ist immer am Puls der Zeit und gibt die Antworten, die gesellschaftlich verlangt werden“, stellt die SPD-Fraktionsvorsitzende Helga Brauer fest.
Wohnanlage Lebensräume für Jung und Alt
„Die Wohnanlage Lebensräume für Jung und Alt ist einer der „Edelsteine“ unserer Gemeinde, die viel zu oft zur Selbstverständlichkeit werden“, fasst Bürgermeister Weiß das Leben und die Arbeit in der Wohnanlage zusammen.
Gemeinwesenarbeiterin Helene Göbel informiert im Rahmen ihres Jahresberichts 2007 zur Wohnanlage und ihre Bewohner.
Alle Generationen leben dort unter einem Dach, Eigentümer und Mieter, Menschen mit einem höheren und einem geringen Einkommen, Alleinstehende, unterschiedliche familiäre Lebensformen mit Kindern, Berufstätige und Rentner, behinderte und hilfsbedürftige Menschen, bis zu sechs verschiedene Nationalitäten, also ein bunter Querschnitt durch unsere Gesellschaft, so Helene Göbel. Die Wohnlage habe 79 Wohnungen, davon werden vierzehn von den Eigentümern selbst bewohnt. 114 Personen wohnen in der Wohnanlage, 57 alleinstehende Personen, acht Paare ohne Kinder, sechs Familien und sieben Alleinerziehende. Der älteste Bewohner sei 93 Jahre, der jüngste gerade einmal drei Wochen alt, der Altersdurchschnitt betrage derzeit 48,9 Jahre, so Göbel. „Die Nachfrage nach Wohnungen ist groß, nach wie vor gibt es eine Warteliste für Mietinteressenten. Steigende Anfragen kommen von Menschen aller Altersgruppen mit einem geringen Einkommen oder die aufgrund einer Körperbehinderung eine alten- und behindertengerechte Wohnung benötigen, sowie von Menschen mit geistiger oder seelischer Behinderung, die häufig durch soziale Einrichtungen vermittelt werden“, informiert die Gemeinwesenarbeiterin.
Auf dem Weg zur Umgestaltung der Gesellschaft vom versorgenden Staat zum aktivierenden Staat möchte die Gemeinwesenarbeit einen aktiven Beitrag leisten, informiert Helene Göbel. Aus diesem Grund wird das freiwillige Engagement der Bürger gefördert, so dass soziale Netzwerke in der Gemeinde entstehen. Ausgangspunkt für ehrenamtliche Tätigkeiten seien immer wieder die „Lebensräume für Jung und Alt“. Verschiedene Aktivitäten und Angebote wie das Café-Begegnung, Faulenzerfrühstück, Gedächtnistraining, Spielemittag, Seniorengymnastik oder auch das gemeinsame Singen würden von den Bewohnern gerne angenommen.
Ein von den Bewohnern gewählter Bewohnerbeirat initiiert und bearbeitet anstehende Themen und arbeitet eng mit der Gemeinwesenarbeiterin zusammen. Stets zur Stelle wenn es notwendig ist sei auch das Handwerkerteam „Notnägel“, eine selbst gegründete Gruppe, die sich aus Bewohnern zusammensetzt.
Möglichkeiten um mit anderen in Kontakt zu kommen gebe es genügend.
Auch die Aktivitäten mit anderen Einrichtungen wie zum Beispiel die gemeinsame Gymnastikstunde mit den Kindern vom Kinderhaus fänden großen Anklang.
Einzelne Projekte wie die Ausbildung von Bürgermentoren oder das JES-Projekt (Jugend engagiert sich) „G-mit“ in Zusammenarbeit mit der Theodor-Heuss-Schule werden von der Gemeinwesenarbeit der Wohnanlage initiiert und unterstützt.
Zur Finanzierung der Gemeinwesenarbeit, der Gemeinschaftsräume und weiterer Allgemeinkosten wurde für die Lebensräume für Jung und Alt in Meckenbeuren durch die Gemeinde und die Stiftung Liebenau ein ortsbezogener Sozialfond gegründet, der aber nicht kostendeckend ist.
Von der technischen Hochschule in Zürich wurde eine unabhängige Befragung für die Entwicklung von altersgerechten Wohnungen in der Wohnanlage und fünfzehn verschiedenen Einrichtungen durchgeführt mit dem Ergebnis, dass die Lebensräume ein zukunftsweisendes Modell darstellen bei dem das Nachbarschafts- und Gemeinschaftsleben zu hundert Prozent und die hindernisfreie Gestaltung zu 92% erfüllt werden, informiert Helene Göbel.
Bericht des Sozialreferats
Wegen datenschutzrechtlichen Gesichtspunkten war es zunächst vorgesehen, den Jahresbericht von Sozialarbeiter Rolf Mayer in nichtöffentlicher Sitzung zu behandeln. Auf Grund der Anonymisierung der Fallzahlen und der brisanten Thematik der Wohnungslosigkeit, insbesondere von unter 25-Jährigen, entschied Bürgermeister Roland Weiß den Bericht der Öffentlichkeit vorzustellen.
Die Problematik der Wohnungslosigkeit, insbesondere von unter 25-Jährigen, sei nicht allein an Arbeitslosigkeit gekoppelt, sondern stelle eine durchgängige Problematik eines Personenkreises dar, der eine gewisse Lebenstauglichkeit in Form von Bewältigung der Alltagsprobleme nicht gelernt habe, stellte Bürgermeister Weiß den Sozialbericht vor. Es sei die Frage zu beraten, wer in unserer Gesellschaft für die konkrete Lebenshilfe dieses Personenkreises einspringen könne, wenn der familiäre Halt wegfalle bzw. nicht funktioniere, so Weiß.
Die Einzelheiten und konkreten Fallzahlen insbesondere zur „Wohnungsnotfallhilfe“ über die Rolf Mayer anschließend aus seiner täglichen Arbeit berichtete, lösten bei den Ratsmitgliedern große Betroffenheit und Erstaunen aus. Die Fallzahlen drohender Wohnungslosigkeit stiegen im Zeitraum von 2006 bis heute von 63 Fällen auf heute 91 Fälle. Von diesen Personen seien rund die Hälfte unter 25 Jahren, informierte Mayer. Als Gründe für drohende Wohnungslosigkeit nennt Mayer unter anderem Mietrückstände, Konflikte und Sucht, wobei bei den „U 25“ der Anteil „de-facto-Wohnungsnotfall“ besonders hoch sei.
Eine deutliche Zunahme verzeichne er bei unter 25-Jährigen im Bereich familiärer Konflikte, so Mayer. Dies sei laut Mayer auch auf eine Neuregelung seit 2007 zurückzuführen, wonach für unter 25-Jährige, die Arbeitslosengeld II beziehen und einen eigenen Haushalt gründen wollen, eine Beurteilung und Zustimmung des Jugendamtes erforderlich sei. Besonders auffällig bei Jugendlichen „U 25“ mit drohender Wohnungslosigkeit seien psychische Probleme wie Depression, Antriebslosigkeit, fehlendes Durchhaltevermögen, Verdrängung oder Bagatellisierung. Überraschend hoch sei bei den „U 25“ von Wohnungsnot betroffenen der hohe weibliche Anteil von rund 40 Prozent, so Mayer. Auffällig hoch sei auch die Zahl der Personen ohne Schulabschluss. „Ein Drittel aller Fälle haben keinen Abschluss, davon wiederum 76 Prozent weiblich“, so Mayer.
Froh zeigte sich der Sozialarbeiter darüber, dass es in den wenigsten Fällen zu einer Obdachloseneinweisung als letztem Mittel komme, sondern andere Interventionsmaßnahmen wie Konfliktvermittlung oder Zwischenlösungen greifen.
Dies sei nicht zuletzt seiner hervorragenden Arbeit zu verdanken, bescheinigten ihm Bürgermeister und Ratsmitglieder. Umfassende Prävention in den verschiedenen Einrichtungen sei von großer Bedeutung, waren sich Sozialarbeiter und Gremium einig. Auch die Elternarbeit gelte es weiter zu verstärken, schloss Rolf Mayer seinen Bericht mit einem Appell an alle, die mit Kindern und Familienarbeit zu tun hätten
Erstellt von Chr. Ehmann am 03.06.2002
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