
Oft sagen die Augen mehr aus als Worte, deshalb empfiehlt Diplom-Psychologe Thomas Grüner (links) mit Kindern und Jugendlichen auf Augenhöhe zu kommunizieren.
Die Kunst der Grenzziehung: Konsequent erziehen - erfolgreich erziehen
Überaus großes Interesse hat das Angebot von Gemeinde und Elternbeirat mit dem Vortrag von Diplom-Psychologe Thomas Grüner zum Thema „Erziehung“ am Donnerstag erfahren. Rund 170 Interessierte, Eltern, Pädagogen und Mitarbeiter aus der Jugendarbeit haben das Angebot im Kulturschuppen genutzt und wichtige Antworten auf alltägliche Erziehungsfragen in Familie und Schule erhalten.
„Die Bildungslandschaft ist in stetigem Wandel und in Bewegung“, begrüßte Bürgermeister Andreas Schmid die Gäste und verwies auf die Einführung der Werkrealschule, die neue Realschule und das vorgesehene Bildungshaus in Liebenau. „Die Gemeinde will wohnortnah beste Rahmenbedingungen für Eltern und Kinder schaffen, sich aber nicht nur auf Räume und Pädagogik beschränken, sondern mit der anstehenden Vortragsreihe unter dem Begriff „BildungsMecka“ den Bildungsstandort Meckenbeuren noch stärker untermauern“, so der Schultes.
Die Merkmale guter Erziehung und die Kunst der Grenzziehung zeigte Diplom-Psychologe und Psychotherapeut Thomas Grüner in seinem heiteren wie kurzweiligen Vortrag auf. Häufig führte er Beispiele und Situationen an, in denen sich die Zuhörer wiederfinden konnten. „Wir alle wollen, dass unsere Kinder glücklich und zufrieden durchs Leben kommen“, bestätigte Grüner den Wunsch der Eltern und zeigte auf, welche unterschiedliche Vorstellung von Glück bei Eltern und Kindern vorherrschen. „Wer setzt sich nun mit seiner Vorstellung durch? Wer folgt wem?“, fragte Grüner und verwies darauf, dass Kinder und Jugendliche wissen wollen wie weit sie gehen können, dies gebe Halt und Struktur. Zu 70 – 80 Prozent sollten aber Eltern den „Machtkampf“ gewinnen und sich ihre Unabhängigkeit bewahren - wertschätzend und unter Beachtung der Generationengrenze. „Machen Sie ihren Selbstwert, ihre Selbstachtung und Zufriedenheit von der Professionalität Ihres Handelns abhängig und nicht vom Verhalten des Kindes“, so der Rat des Psychologen. „Sie können nicht wählen, ob Sie Grenzen setzen, Sie können nur wählen wann“, erklärte er und gab den Tipp: „Setzen Sie frühzeitig Grenzen, fordern Sie eindeutiges Verhalten ein und überprüfen Sie es“, so Grüner mit dem Hinweis, Werte zu vermitteln und Aggressionen in Grenzen und erträglichem Rahmen zuzulassen. „Geben Sie Hilfe statt Strafe, motivieren Sie positiv und belohnen Sie nie das Beenden unerwünschten Verhaltens, sondern nur den Gehorsam“. Was Kinder in Wirklichkeit motiviere sei die Erwartung der Anerkennung. Zuwendung und Anerkennung nannte Grüner neben Essen und Trinken das wichtigste Grundbedürfnis des Menschen. Beim Überschreiten der Grenzen sollte eine Wiedergutmachung eingefordert werden, aber nie eine Einsicht oder Vernunft. „Seien Sie liebevoll streng, konsequent und wertschätzend. Trennen Sie zwischen Person und Verhalten“, gab er den Zuhörern mit auf den Weg. „Nehmen sie Kinder mit all ihren Gedanken, Bedürfnissen und Gefühlen an – aber nicht jedes Verhalten“, warnte Grüner davor, in die Einsichts-, Ablehnungs- oder Verständnisfalle zu geraten.
Erstellt von Chr. Ehmann am 24.09.2010
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