
„Gut leben statt viel haben - Geld regiert die Welt“, zu diesem brisanten Thema hatten das Meckenbeurer Kontaktcafe für Menschen ohne Arbeit, der Familienkreis, der Frauenbund, die Lokale Agenda 21 Meckenbeuren und die Katholische Erwachsenenbildung Bodenseekreis zum Vortrag mit Dr. Wolfgang Kessler sowie zuvor zum Filmabend "Let's make money" in den Kulturschuppen eingeladen.
„Eigentlich ist doch alles wieder in Butter“, sagt Dr. Wolfgang Kessler. Die Börsen boomen, die Banken erwirtschaften Gewinne und Konsumenten kaufen. Was aber wurde aus den Problemen, die zur Wirtschaftskrise geführt haben? Dem spürt der Wirtschaftjournalist nach und stößt auf großes Interesse.
Die große Besucherresonanz zeigte, wie sehr die Menschen auf Veränderungen hoffen, nach Lösungen für Probleme suchen für sich und ihre Umwelt. „Gut Leben statt viel Haben – Geld regiert die Welt“, darüber sprach Dr. Wolfgang Kessler und zeigte auf, wo die Probleme im XXL-Zeitalter liegen. „Dort sind wir angekommen“, behauptete Betriebsseelsorger Werner Langenbacher, „mit über einer Million Leiharbeitern und über einer Million Menschen, die trotz Arbeit ohne Unterstützung nicht leben können“.
„Für kurze Zeit schien es so, als wäre die Politik bereit aus dieser Krise zu lernen“, sagt Kessler und berief sich auf Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble, der sagte: „Dies ist die erste globale Krise, die die freiheitliche und soziale Wirtschaftsordnung bedroht. Wir können nicht einfach zur Tagesordnung übergehen“. Gerade das geschehe aber nun. Es werde Politik gemacht, wie vor 40 Jahren, mit geringeren Steuern, mit Sparprogrammen für Schwächere, in der Hoffnung, dass das Wachstum es schon richten wird.
„Wachstum aber kann die sozialen und ökologischen Probleme nicht lösen“, machte er deutlich, „denn die Kluft zwischen Gewinnern und Verlierern wird immer tiefer. Ein Viertel der Deutschen ist von Armut bedroht, darunter fast drei Millionen Kinder“. Von vielen Arbeitsplätzen sei die Rede. Der Markt aber verfalle in Minijobs, Honorarverträge oder Projektarbeiten. Fast jeder zweite Arbeitnehmer unter 30 Jahren hat einen befristeten Arbeitsvertrag. „Sieht so gutes Leben aus?“, fragte er und das Kopfschütteln im Saal war groß. Selbst die Gewinnerseite plage das System, das andauernde Verfügbarkeit verlange in der Rund-um-die-Uhr-Gesellschaft, die Opfer fordert und Trennungen verursacht. Prekäre Familiensituationen, entfremdete Kinder und psychische Probleme sind die Folge.
„Die Erde hat genug für jedermann, aber nicht für jedermanns Gier“, dieses Zitat von Mahadma Gandhi bringt es auf den Punkt. Dem müsse man begegnen, so Kessler.
Die Schizophrenie müsse aufhören, in der alle weitermachen wie bisher, obwohl sie wissen, dass es so nicht weitergehen kann. In ökologischer Sicht tue sich manches, leider viel zu wenig in sozialer. Kessler plädiert dafür, die staatliche Wirtschaftspolitik aktiv zu gestalten und nicht auf schuldenfinanzierte Konjunkturprogramm zu bauen. Er fordert soziale Sicherheit nach unten, zur Absicherung gegen Armut trotz Arbeit, im Alter oder bei Krankheit. „Wir brauchen andere Unternehmen“ fordert er, in der die Löhne im Einklang mit der Produktivität steigen und eine Umweltgerechtigkeit, die Geringverdiener nicht belastet. Den Schlusspunkt setzt er mit der Forderung nach besserem Umgang mit Geld: „Finanzkrisen lassen sich nur durch Regulierung, Eigenverantwortung der Finanzinvestoren und Entschleunigung verhindern. Erst dann wird es wahr das „Gut Leben statt viel Haben“.
Info: Einen Volltreffer haben die Veranstalter Kontaktcafe, Familienkreis, Frauenbund, Lokale Agenda, Katholische Erwachsenenbildung Bodenseekreis gelandet und empfehlen weitere Veranstaltungen: 1.2.2011 im evangelischen Gemeindehaus „Saubere Kleidung – faire Textilien“. Am 5.2.2011 im BBW Adolf Aich ein Vortrag mit Professor Hengsbach zum Thema „Ist gute Arbeit möglich im Finanzkapitalismus?“ um 14 Uhr, um 16:30 sorgt das Kirchenfrauenkabarett Vorarlberg für viel Freude.
Erstellt am 10.01.2011
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