
Lob und Strafe als Formen in der Erziehung
Bereits zur dritten Veranstaltung im Rahmen der Vortragsreihe „BildungsMecka“ haben Gemeinde und Gesamtelternbeirat der Meckenbeurer Kindertageseinrichtungen am Dienstag zum Vortragsabend mit dem Heilpädagogen Bernd Morgenstern in den Kulturschuppen eingeladen. Wie Kämmerer Simon Vallaster bei seiner Begrüßung informierte, soll auch im kommenden Jahr die Vortragsreihe „BildungsMecka“ mit interessanten Veranstaltungen weitergeführt werden.
„Was löst bei uns Eltern aus, dass wir unsere Kinder bestrafen wollen?“ fragte Referent Bernd Morgenstern gleich zu Beginn die interessierten Zuhörer. „Und wie fühlen wir uns anschließend, wenn wir das Kind bestraft haben?“ Mit diesen und weiteren Denkanstößen schaffte es Bernd Morgenstern den Vortrag zu einem interessanten Diskussionsabend werden zu lassen.
Anhand verschiedener Bilder und Erläuterungstexte offenbarte er, dass bei Kindern vor allem Angst zum Auslöser für Verhaltensmuster wird, die dann zu Konflikten führen. „Insbesondere Kinder und Jugendliche reagieren oft in einer Form, bei der wir die Angst als Ursache des Konflikts nicht erkennen“, informierte Bernd Morgenstern und unterteilte die Angst in fünf Arten: Angst vor Schmerzen, Todesangst, Angst vor dem Alleinsein, Versagensängste und Angst vor Liebesentzug. „Die Unterscheidung von Formen und Symptomen in denen die Angst sichtbar wird hilft die verschiedenen Reaktionen und Auslöser von Angst zu verstehen“, weiß der Heilpädagoge aus seiner langjährigen Erfahrung und erläuterte die Realitätsstufen des jeweiligen Kindesalter. „Strafe im klassischen Sinn verändert das Verhalten im Kind nicht, es fördert höchstens das Einhalten von Regeln“ verwies Morgenstern auf erwiesene Untersuchungen und zeigte Lösungen auf, um weniger mit Strafe arbeiten zu müssen.
Zeit und Zuwendung, Beständigkeit, Lebenshoffnung und Sinnglaube, Liebe, Geduld und Vertrauen in die Zukunft nannte Bernd Morgenstern ebenso als Grundvoraussetzungen wie Konsequenz, Bestätigung und Lob. „Aber Bestätigung einer Leistung muss ehrlich sein, darf nicht gespielt und nicht zielgerichtet sein“, betonte er. „Und Lob braucht eine ganz tiefe Spontanität und Wahrhaftigkeit“, so Morgenstern. „Kinder müssen Zeit haben und in Geduld und Liebe lernen können die Regeln einzuhalten“, appellierte er an die Erwachsenen, den Zeitaspekt, den Kinder je nach Alter brauchen, zu beachten.
„Kinder brauchen aber auch eine gewisse Strenge um Regeln einzuhalten“ verwies Morgenstern auf die Präsens des Unvorhersehbaren und empfiehlt Regeln festzusetzen, konsequent durchzusetzen aber nicht willkürlich zu ändern. Eltern sollten immer „nahe am Kind sein“, um in Bildern und in der Seele des Kindes „lesen“ zu können. „Nehmen Sie den Strafgedanken ihren Kindern aus dem Herzen – Strafgedanke ist immer auch ein Distanzgedanke“, gab Bernd Morgenstern den Erwachsenen mit auf den Weg.
Erstellt von Chr. Ehmann am 03.11.2010
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