Zeitzeugen berichten

Seminar für Didaktik und Lehrerbildung Meckenbeuren

Zeitzeugen berichten über die Verfolgung während der NS-Diktatur

Auf Initiative von Seminarschulrätin Christine Abele-Lutz und in Zusammenarbeit mit dem Maximilian-Kolbe-Werk führt das Staatliche Seminar für Didaktik und Lehrerbildung in Meckenbeuren die Themenwoche „Zeitzeugen berichten über die Verfolgung während der NS-Diktatur“ durch und hat hierfür drei Zeitzeugen eingeladen, die die nationalsozialistische Verfolgung überlebt haben. Direktor Karl Handschuh konnte zum Auftakt neben den zahlreichen Ausbilderinnen und Ausbildern auch Bürgermeister Andreas Schmid in den Seminarräumen in der Hügelstraße in Kehlen willkommen heißen. „Man kann die Vergangenheit nicht abstreifen, so leidvoll sie auch ist. Man muss sich der Vergangenheit stellen, um das weitere eigene Leben gestalten zu können“, blickte Karl Handschuh auf die Ziele des Schulseminars, verantwortungsbewusst und zukunftsorientiert Lehrerbildung zu gestalten. Er dankte Christine Abele-Lutz und Dietmar Lutz für die Initiative und die Planung der Themenwoche ebenso wie für die Betreuung der drei Zeitzeugen.

„Es ist unsere Aufgabe, dass das Geschehene nicht in Vergessenheit gerät“, betonte auch Bürgermeister Andreas Schmid und sieht jeden Einzelnen in der Verantwortung, seinen Beitrag dafür zu leisten.

Im Anschluss schilderten die drei Zeitzeugen eindrucksvoll ihre Schicksale während der NS-Diktatur. Henriette Kretz war als jüdisches Kind versteckt. Ihre Familie lebte über 300 Jahre lang angesehen in Polen, bis das NS-Regime ihr jegliche Rechte absprach, sie gefangen nahm, demütigte und schließlich ihre Eltern ermordete. Jerzy Michnol, der katholischen Glaubens ist, war als „politischer“ Häftling in Auschwitz und nahm am so genannten Todesmarsch in das KZ Mauthausen teil. Ignacy Krasnokucki berichtete über seine Zeit als Jude im Ghetto Lodz und wie er auf dem Todesmarsch kurz vor Kriegsende geflohen ist.

„Wenn nicht wir, wer dann?“ wendet sich Christiane Abele-Lutz an die Pädagogen und will in dem „Zeitzeugenprojekt an Schulen“ gemeinsam mit den Lehreranwärtern und den Zeitzeugen das Geschehene aufarbeiten. „Henriette Kretz, Ignacy Krasnokucki und Jerzy Michnol legen Zeugnis darüber ab, was geschieht, wenn Menschen sich über andere erheben und ihnen das Lebensrecht und die Würde absprechen. Ihr Zeugnis ist ein Appell an uns, wachsam zu sein und entschieden gegen jede Form von Hass, Willkür und Entrechtung einzutreten“, so Christine Abele-Lutz.

In mehreren Veranstaltungen berichteten die Zeitzeugen über die gesamte Woche hinweg Ausbildern, LehreranwärterInnen und interessierten Lehrkräften über ihre schmerzlichen Erfahrungen und suchten das Gespräch. Dabei wurde immer der Wunsch deutlich, die Nachgeborenen nicht anzuklagen, sondern zu versöhnen und so dazu beizutragen, dass nie mehr wieder durch Rassenwahn und Menschenhass so viel Leid verursacht wird.

 

 

 

 

 


Erstellt von Chr. Ehmann am 21.04.2010

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