Im Zuge der steigenden Zahl der Ganztagesschulen arbeiten der Württembergische Landesportbund (WLSB) und seine Sportkreise daran, die Sportvereine und Schulen im Land noch stärker als Partner in der Zusammenarbeit bei der Ganztagesbetreuung einzubinden. Wie dies zu schaffen ist, stellten WLSB-Vizepräsident Prof. Paul Hempfer, WLSB-Referentin Hanna Kapp sowie Dr. Matthias Molt vom Ministerium für Kultus, Jugend und Sport und die Präsidenten vom Sportkreis Bodensee und Ravensburg Rudolf Landwehr und Eberhard Heurich den Vertretern aus Vereinen, Schulen und Kommune jüngst im Meckenbeurer Kulturschuppen vor. Über zehn solcher Veranstaltungen zur „Informationsoffensive Sportvereine und Ganztagesschulen“ haben WLSB und Sportkreise bereits durchgeführt, mit großem Erfolg.
„Sport ist Teil der Bildungsaufgabe und gemeinsame Aufgabe von Schule, Vereinen und Elternhaus“, betont Sportkreispräsident Rudolf Landwehr. Veränderungen in der Schullandschaft hin zu ganztägigem Unterricht und Betreuung wirken sich nicht nur auf den Kinder- und Jugendsport in den Vereinen aus, der Bedarf an Sport- und Bewegungsangeboten als Ausgleich zum Schulalltag wird ebenfalls größer.
Auch an den Meckenbeurer Schulen wird die offene Ganztagesbetreuung praktiziert, informierte Kämmerer Simon Vallaster in Vertretung von Bürgermeister Andreas Schmid. Über 1000 Schüler sind es, die an den Grundschulen, der Werkrealschule und im kommenden Jahr auch an der Realschule unterrichtet werden. Die drei Sportvereine der Gemeinde haben zusammen rund 3100 Mitglieder. „Die Kooperation von WLSB, Vereine, Schulen und Gemeinde ist in Meckenbeuren ausdrücklich erwünscht“, betont Vallaster auch im Hinblick darauf, dass die knappen Ressourcen gemeinsam genutzt werden und viele positive Impulse daraus entstehen können.
Werden im laufenden Schuljahr rund 20 Prozent der Schulen in Baden-Württemberg als Ganztagesschule geführt, so soll sich bis zum Schuljahr 2014/2015 diese Zahl verdoppeln und 40 Prozent der allgemeinbildenden Schulen zu Ganztageseinrichtungen umstrukturiert werden. „Dies hat große Auswirkungen auf die Sportvereine und auf die ganze Gesellschaft“, ist Prof. Paul Hempfer vom WLSB überzeugt und appelliert an die Sportvereine rechtzeitig darauf zu reagieren. Viele Kinder und Jugendliche finden im Rahmen der Ganztagesbetreuung in der Schule ein zweites Zuhause, halten sich auch nachmittags dort auf mit der häufigen Folge, dass das Engagement im Verein sinkt.
Aus diesem Grund müssen die Vereine die Zusammenarbeit mit den Schulen intensivieren, gemeinsam Konzepte erarbeiten, Kooperationsvereinbarungen treffen und Bildungspartnerschaften entwickeln, mit dem Ziel eine „Win-Win-Situation“ für alle Partner zu schaffen. Sportvereine verfügen über kompetente und geschulte Übungsleiter. Dies biete die Chance, sehr früh die Kinder sportlich zu fördern und sie zu motivieren, sich im Verein zu engagieren, auch als Teil der Zukunftssicherung des Vereins. Ein weiterer Aspekt ist die Verfügbarkeit der Sportstätten, die bei der Ganztagesbetreuung gebunden sind. Die Sportvereine fordern deshalb eine Betreuung nur bis 16 Uhr, um den Schülern danach die Partizipation an den Angeboten der Vereine zu ermöglichen. Neben Übungsleitern können Eltern, rüstige Senioren, Lehrbeauftragte, Schülermentoren oder Jugendliche im Freiwilligen Sozialen Jahr bei der Durchführung mit eingebunden werden. Eine Mentorenausbildung von Jugendlichen trage enorm zur Persönlichkeitsentwicklung bei, zeigt sich Dr. Matthias Molt vom Ministerium für Kultus, Jugend und Sport überzeugt und informiert zur Finanzierung der Mentorenausbildung wie auch zu den Zuschussprogrammen für die Schulen. Die Finanzierung wird bei der Disskussion am Mittwochabend auch immer wieder zum Thema. Das Engagement von Übungsleitern, Eltern und vieler Aktiven bietet Qualität, Nachhaltigkeit und Zuverlässigkeit. „Dies kann nicht alles ehrenamtlich erfolgen, sondern gehört auch entsprechend honoriert“, so Prof. Hempfer. Mit dem Aufzeigen erfolgreicher Praxisbeispiele aus der Region und zahlreichen Fianzierungsbeispielen sowie wichtiger Adressen und Ansprechpartner endete der Informationsabend.
Erstellt von Chr. Ehmann am 14.06.2010
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